Dienstag, 5. Oktober 2010

Wiesn Tripreport 01.10.10 (Tag 1)

Joar, wie angekündigt, zumindest mit ein paar Auserwählten, will ich wieder mehr bloggen, also fang ich mal mit dem Tripreport an.
Leider hab ichs nicht geschafft, meinen Block mit auf die eigentliche Wiesn zu nehmen, aber ich denke fürn kleinen TripReport reichts dennoch (stellenweise auch durch Gedächtnisskizzen und Fotozeiten ergänzt).

11:00 Treffen am Bahnhof mit Mazzl. Erstes Reisehalbe von Mazzl gekauft.

11:05 Zug fährt ein. Zug kommt wie üblich nie mit Verspätung, heute schon. Hatten 11 Minuten planmäßig Zeit, so sinds noch 8 Minuten. Wird passen.

11:19 Ankunft in Mannheim, 5 Minuten bis unser Zug einfährt. Erstes Reisehalbe wird geöffnet und angestoßen. Wir wollen das offene Bier nicht mit in den Zug nehmen.

11:24 Mein Bier ist leer. Der erste Halbe auf leeren Magen geht erstaunlich gut rein. Ich fühl mich topfit.

13:06 Ich kommentiere online, dass mittlerweile das zweite Halbe stramm sitzt. Wenn ich das nur gelassen hätte, hätte ich mir gute 20 Euro alleine an Surf-Kosten in 2 Tagen gespart.

14:36 Ich erinnere mich an mein Vorhaben mit dem Block und beginne mit den Notizen, während in unserer Kabine der Foto rumgeht und jeder mal darf. Die alte Nutte.

14:39 Nach guten 2 Stunden Fahrzeit sind die ersten 2 Liter feinstes Franziskaner unten. Nur, dass wir am anderen Ende des Zuges, also entgegengesetzt vom Speisewagen Platz genommen haben und wir somit zum Bierholen durch den komplett vollen Zug laufen/torkeln müssen ist etwas missgünstig.
Der Gedanke verfliegt beim Anblick unseres bunt beklebten Fensters. Wie immer alle Aufkleber von mittlerweile 12 Bier abgemacht und an die Glastür geklebt. Von außen sehen wir sicher aus wie eine Gruppe Vollassis.. wenn die wüssten.

14:40 Kollektiver Flashback an unsere Filmidee. Snakes on a Plane war gestern, morgen kommt "Water in the Train", ein Zug der aus unersichtlichen Gründen überflutet wird und Samuel L. Jackson sich als altgedienter Fahrkartenkontrolleur durch die Wassermassen kämpfen muss.

14:55 Mazzl O-Ton "Und was isst du dann im Zelt, Simi? BACKTOMATEN?!"

15:01 Wir sinnieren über künftige Kostüme für den schmutzigen Donnerstag. Über Ash Ketchum und seine Pokemon über die alteingessenen Spartiaten bis hin zu den Fantastic 4, wobei Simi das Ding macht und wir ihn mit Kot einreiben wollen, weil das getrocknet so lebensecht aussähe.

15:14 Zwar kommen wir gleich in München an, was uns nicht davon abhält die Klettverschlüsse unserer Sitze abzumontieren und uns mit den kratzigen Enden zu vermöbeln. Wie immer ist Johann der einzige der davon Spuren behält. Läuft.

15:20 Der Vorhang hängt aus dem offenen Fenster und wirkt als würde er jeden Moment durch den Fahrtwind aus den Angeln gerissen. 2 Sekunden später wird er aus den Angeln gerissen - von mir. Er gleitet vom Fahrtwind sanft getragen hinfort.

15:29 "Furz + Simi wieder Fleisch" Keine Ahnung was das bedeutet, offenbar waren wir in München am Hbf angekommen, aber mehr weiß ich da nicht. Ich war da schon bei guten 30-40%.

15:36 Bevor wir uns weiter auf den Weg machen, gehen wir erstmal zu Burger King und schieben uns ein zweites Frühstück rein. Ich glaube, das wars was der Simi mit Fleisch zu tun hatte.

15:58 Wir wollen mit der U-Bahn zur Herberge fahren, haben nur leider keinen Plan mit welcher U-Bahn und in welche Richtung. Das wird lustig. Wir laufen erstmal durch die U-Bahn und schauen uns alle möglichen Pläne und Karten an.

16:07 Wir sind endlich in der richtigen U-Bahn. Hoffentlich. Sicher sind wir da alle nicht, was die Sache etwas verschärft, wir müssen spätestens um 17 Uhr an der Herberge sein, sonst werden unsere Zimmer freigegeben. Glaube ich zumindest.

16:44 Wir sind in der Herberge angekommen, haben uns unser Bettzeug geholt und beziehen erstmal unsere Betten, ich glaube so manches Bett in Indien war da besser bezogen, aber notdürftig-bezogen reichte uns für 2 sturzbetrunkene Nächte durchaus.

16:45 Der Pegel sinkt solangsam wieder. Das Essen dürfte daran einen nicht unbeträchtlichen Teil haben. So langsam realisiere ich auch, dass ich soeben von meinen mitgebrachten 125 Euro alleine 100 Euro beim Check-In gelassen hab. Die anderen 25 Euro gingen bei der Hinfahrt drauf. Das heißt ich bin vollkommen blank. Vielversprechend.

16:50 Hab zuerst Bremsbauch gelesen in meinen Aufzeichnungen gelesen, aber dann erinnerte ich mich. Das Opfer in der Runde wurde höflich, aber bestimmt zu einem allseitigem Brennbauch eingeladen, was von den Umstehenden auch gerne angenommen wurde. Die Spuren sollen noch einige Stunden zu sehen sein.

17:10 Umgezogen, notdürftig frisch gemacht gehts los Richtung Theresienwiese. Auf dem Hinweg kamen wir an einem Penny und einem Schlecker vorbei. Dort wirds sicher Bier geben.

17:18 Reisehalbe vom Schlecker. Ist zwar Becks, geht dennoch nicht wirklich einfach rein. Aber wird schon passen, das Magengrummeln wird mit Bier gestopft.

17:56 Nachdem wir inzwischen bei der Bank waren, jeder Geld, Pegel und Laune hat, bemerkt unser Ticketmann vom Hinweg, dass er das Ticket in der Herberge hat liegen lassen und kommentiert mir das direkt. Danke an der Stelle.
Wir sollten morgen feststellen, dass wir die ersten zwei Strecken in der Münchner U-Bahn ohnehin ohne gültiges Ticket gefahren sind. Wer konnte denn auch damit rechnen, dass man Tickets vom Automat noch abstempeln muss.

18:52 Ankunft auf dem Wiesngelände. Direkt mal ein Scheiß "Sky-Rocket" oder so gefahren, was todeshoch war und ich hatte offenbar kurz vergessen, dass ich grausame Höheangst hab. Wird schon gehen.

18:56 Das Mörderteil überstanden, heilfroh wieder aufm Boden zu stehen. Der Alkohol wurde gut durchgewirbelt, das ging nicht ganz spurlos an mir vorbei.

19:19 Das erste Halbe auf der Wiesn in der Hand, welches auch gleich von mir fotografiert wird. Dazu gibts gleich ein XXL-Schnitzel.

19:38 Das Schnitzel kommt, wird direkt gevierteilt noch bevor ich die Möglichkeit habe, das Ganze auf Foto festzuhalten. Lecker wars nicht, die Beilagen waren besser als der Hauptgang, dennoch der Magen ist voll und weiteres Bier kann kommen. Mittlerweile sind wir alle beim 6ten Halben.

20:06 Eine Gurke ist auf dem Tisch liegen geblieben. Benny ermuntert Johann diese für einen 1 Euro vom Tisch zu lecken. Komplett, ohne Hände. Simi steigt mit einem Euro dazu, Mazzl ebenfalls, aber Johann ist noch nicht vollends überzeugt. Also schnapp ich mir die 3 Euro und lege 5 auf den Tisch. Das überzeugt ihn und der Tisch ist streifenfrei sauber.

20:38 Wir stehen im Biergarten vom Bräurosl. Stehen in der Schlange und hinter mir ist ein offenbarer Australier so besoffen, dass er seine Maß nimmer gerade halten kann und mir alles über die Schuhe kippt. Super Einstieg.

20:50 Immernoch Anstehen. Eine Kellnerin, die ich zuerst nicht als solche erkannt habe, bietet uns an, während wir warten uns 2 Maß zum Warten zu bringen. Ich frage in die Runde "Die Frau sagt, sie kann uns Bier von drinnen besorgen!!" Ich war total baff, dachte es wäre eine nette Wiesnbesucherin. Fail, alright.

20:56 Die 2 Maß kommen an, zusammen geschüttet hätten sie auch eine ganze Maß ergeben. Wir kippen sie dennoch oder gerade deshalb in atemberaubendem Tempo in uns rein.

21:06 Die Maß sind leer und wir sind drin. Das erste Mal in einem Wiesn-Zelt. Keine Ahnung von überhaupt was. Wir laufen direkt zur Schänke unwissend, dass es keine Stehmaß oder herkömmlichen Ausschank gibt. Wir fragen dennoch eine - die ist stark freundlich und bittet uns mit an einen halbfreien Tisch zu kommen, dort können wir die Maß entgegen nehmen. Yeah!

21:12 Wir haben die ersten 5 Maß, Prost! Die sind schon etwas gefüllter. Wir in der Zwischenzeit auch. Aber es schmeckt so unsagbar gut.

21:19 Online Kommentar: "Ich hab grade Benny in die Maß gefurzt". Die Vorgeschichte ist die, er erzählt mir etwas legt die Hand um mich, als ich gerade furze. Gleichzeitig hat dieser seine Maß genau auf der richtigen Höhe..ich muss heute noch lachen.

21:49 Erste Maß leer, eigentlich sollte es das für heute gewesen sein, aber mir schmeckt es so gut, dass ich irgendwann noch eine zweite Maß in der Hand habe. Keine Ahnung ob ich die bestellt habe oder irgendwem geklaut. Beides ist zu diesem Zeitpunkt etwa gleich wahrscheinlich.

23:46 Wir kommen wieder an der Herberge an. Ich und Benny sitzen noch vor der Tür und quatschen, als wir von einem Mädel angesprochen werden, ob wir noch mit ihr um die Ecke Party feiern wollen. Amüsiert über die Ausdrucksweise nutzt mein Pegel die Vorlage ihr zu erklären, dass wir ablehnen, auch wenn sie das nicht verstehen könnte, dass wir nicht mitkommen würde, weil sie ja gut aussehe und wir auch, aber wir wollen lieber hoch. Ich glaube ihr wäre ein schlichtes Nein lieber gewesen.

00:41 Das Gespräch hat sich doch länger gezogen. Kam mir vor wie 10 Minuten, waren offenbar knapp 3 Stunden. Naja, ich wecke schonmal den Rest unserer schon schlafenden Leute mit lautstarkem Rülpsen und Furzen, während Benny solange auf dem Pot sitzt, bis ihm das linke Bein einschläft.

01:04 Ungeachtet der anderen Schlafenden drehe ich aus Heimatverbundenheit mein Handy volle Lautstärke auf. Der Rest ist genervt von TKKG, aber ich schlafe ein wie ein betrunkenes Baby.

Wiesn Tripreport 02.10.10 (Tag 2)

5:30 Irgendjemand hatte offenbar vergessen seinen Wecker von der Zeit aus Mittel/Ost-Bulgarien auf unsere umzustellen und so klingelt der Wecker geschlagene 1 1/2 Stunden zu früh. Reihum werden alle wach. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, welche Chance sich uns hiermit eigentlich geboten hatte.

7:00 Allgemeines Erwachen, Simi hat ausweislich seiner Notizen die er mir dazugeschrieben hat einen Filmriss, gratulation dazu. Wir warn auch die Einzigen die gestern 2 Maß hatten. Insgesamt macht das 4,5 Liter - kein schlechter Einstand. Zumal wir den ersten Tag einfach mal über die Wiesn laufen wollten.

7:20 Kacken, Duschen, in den feinsten Zwirn geschmissen. "Läuft" kommentiert, offenbar sah die Welt da schon ganz anders aus. Wie immer nach einem Suff-Duschen.

7:30 Abfahrt Richtung Speisesaal, allerhöchste Eisenbahn: Johanns Fürze riechen nach Darmnekrose und nötigen uns zur Flucht.

7:33 Notdürftiges Frühstück mit Müsli und O-Saft. Geschmacklich nicht grade Zacherl, aber annehmbar.

8:30 Aufbruch zur Wiesn, heute wird - wie man sagt - deftig am Kabel gezogen und dicke einen durchgeladen. So zumindest der Plan, wenn ich da gewusst hätte, wie Recht ich haben würde.

8:38 Das Reisehalbe beim Schlecker find ich so überragend, dass ich es in Facebook direkt die ganze Welt wissen lassen muss.

09:15 Ankunft auf dem Wiesngelände. Das heutige Ziel soll das Hackerzelt sein. Dort angekommen sieht die Schlange verführerisch kurz aus. Das erste Halbe ist auch drin, scheint also zu laufen. Direkt angestellt und nach kurzer Zeit gehts vorwärts. Jedoch nicht weil Leute reinkommen sondern weil die Anstehenden aufgeben.

10:26 Wir geben auch auf und verdrücken uns an den Seiteneingang vom Hacker, um dort auch nach einer Stunde auch aufzugeben. Nächstes Ziel ist die Toilette, danach was essen und danach in den Biergarten.

12:12 Das erste Halbe für den heutigen Tag, Zwischenstand 5,5 Liter. Alles läuft bestens, wir haben einen guten Platz, zur Not einen Schirm über uns und das Bier fließt. Wir entscheiden uns auf 2-3 Halbe zu bleiben und dann mit Zwischenpegel die nächste Warteorgie auf uns zu nehmen.

12:53 In berauschendem Tempo und nach 3 Runden direkt hintereinander kommen wir bei insgesamt 7 Litern an.

13:46 Neben uns am Tisch nimmt ein Familie mit 3 oder 4-jährigen Kind Platz. Johann ist ganz aufgeregt. Benny kommentiert es online: "Gerücht: johann hat ne 13 jährige geschwängert."

14:20 Die vorhergesagten 8 Liter auf der Wiesn prasseln auf meinen Körper ein. Nach 5 Halben heute, brauche Regenaration, Schwindel plagt mich - im Sitzen.

14:31 Schnell noch eine Runde Schnupftabak von den Schweizern neben uns. Während ich über Simi lache, der sich eine Mischung aus Tabak und Rotz im Gesicht verschmiiert, merke ich, dass ich dasselbe tue. Lustig finden wirs dennoch.

14:44 Ich und Benny entscheiden uns die Käsespätzle von gestern zu nehmen und am Essenswagen werden wir von Mario aus 'Super Mario Bros.' bedient. Hervorragend, so schmeckt es denn auch.

15:41 Ich entscheide mich für einen letzten treffenden Status in Facebook und beschließe 20 Euro sind genug Geld versurft. Naja, ich zahls ja nicht..

16:07 Mittlerweile sind wir richtig dicht. Es fällt mir schwer mich auf einzelne Sachen zu konzentrieren. Aus Angst diesen Moment zu vergessen, erzähl ich Simi davon, dass ich Probleme habe, wenn ich mit dem Kopf schnell hin - und herwackle mein Umfeld zu fokussieren.

16:24 Das letzte von 7 halben ist geleert, Zwischenstand: 9 Liter. Aus 'kurz in den Biergarten' wurde ein gesamter Mittag einschließlich eines halben Nachmittags. Wir machen uns nun auf, es heißt jetzt Anstehen bis ums Verrecken.

17:36 Wir kommen nach interessanter Vorgeschichte im Paulaner-Festzelt an. Eigentlich wollten wir uns ganz regulär anstellen. Ich werde jedoch von Leuten, die für den ganzen Tag reserviert hatten, angesprochen, ob ich ihre Bändchen kaufen möchte. Da ich jedoch vorher gesehen hatte, wie es an anderen Türen gescheitert ist, war ich skeptisch, zumal er 10 Euro pro Bändchen wollte. Letztlich sah die Verhandlung so aus, wir zahlen 20 Euro jetzt und wenn wir reinkommen, dann kommt einer raus und wir zahlen nochmal 20, für insgesamt 4 Bändchen. Noch bevor ich zuende sprechen konnte, zückte Simi die anderen 20 Euro und drückt sie der Frau in die Hand. Die Bändchen waren also komplett gekauft und 10 Minuten später waren wir im Zelt.

17:59 Nach kurzer Orientierungslosigkeit haben wir Glück und entdecken einen halbfreien Tisch mit 5 etwa Gleichaltrigen zu denen wir uns direkt gesellen und wenig später haben wir den ersten Kolben (danke für das Wort) des heutigen Tags in der Hand. Selbst nach 3-4 Litern, alleine heute, schmeckt er umwerfend gut.

18:15 Ich unterhalte mich mit meinem Banknachbar Franzl, einem gebürtigem Bayer. Über Stuttgart 21, das Rauchverbot auf der Wiesn und sonst Gott und die Welt.

19:01 Die nächste Runde Maß kommt an, keine Ahnung wessen ich trinke, denn ich bin seit den 10 Euro für das Bändchen gelinde gesagt pleite. Die 100 Euro, die ich gestern abgehoben haben sind verschossen. Kein Wunder bei 35 Euro alleine im Biergarten - dennoch stoße ich vollmundig mit dem Rest an.

20:38 Pinkeln nach knappen 2 Maß. Mazzl kommt mit. Wir gehen Pinkeln und ich quatsche den Typ mir gegenüber an, während ich ihm stier in die Augen gucke. Auf dem Rückweg verlaufe ich mich heillos mit Mazzl und wir laufen geschätzte 10 Mal an gleichen Bänken vorbei. In meiner Hilflosigkeit schreibe ich Benny eine SMS wo sie denn sitzen (gemeint war die Tischnummer), seine Antwort: "An unserem ursprünglichen Platz". Danke dafür.

20:57 Wir kommen wieder an Tisch # 20 an. Heute geh ich nicht mehr auf Toilette. Auch wenn ich jetzt verstanden hab, dass der Raum sich spiegelt und auch wenn ich in gleicher Entfernung zur Kapelle stand (das war mein Orientierungspunkt gewesen), ich auf der völlig falschen Seite des Zelts stand.

21:27 Letztes Bild innerhalb des Zelts, binnen der nächsten halben Stunde machen wir uns nach Maß Nummero 3 auf den Weg. Noch mal volldurchgestartet zum Abgang.

00:10 Nach zahlreichen Versuchen Simi wiederzufinden, den wir außerhalb vom Zelt direkt verloren haben, kommen die restlichen Fantastic Four an der U-Bahn an. Unterwegs hatten wir einen Wiesnhut gefunden, der jedem viel zu groß war. Getragen haben wir ihn trotzdem, nur weil wir den unter dem Reifen eines parkenden Autos hervorgezogen haben..

00:30 Nach kurzem Disput kommen ich und Johann an unserem Zimmer an. Der Herr hatte seinen Schlüssel offenbar im Zimmer gelassen und die Idee fand der hauseigenen Türsteher nicht allzugut. Er weist uns darauf auch freundlich hin: "Ihr sollt nicht denken, sondern nur tun was man euch sagt". Ich erwidere: "Tschuldigung, bin aus dem Alter, wo ich blind gehorche."

00:40 Geistesgegenwärtig greife ich im Zimmer direkt zum Block und notiere in feinstem Arabisch "Wieder da, L a u s c h i c h hjkhjkhkj". Außerdem finden wir Simi wieder, der schläft und ich kann es mir nicht nehmen lassen ihn zu wecken und ihm ein Stück Salami vom Frühstücksbrötchen unter den Kopf zu legen. Ich betrachte die Situation kurz, finde es für den Vegetarier dann doch zu hart und lege Johanns Hut noch dazu. Schon viel besser.

00:49 Vorm Schlafen gehen mache ich noch schnell ein Beweisfoto davon und lege mich geschlagen, von geschätzten 8 Liter Bier heute, totmüde ins Bett. Vorher stelle ich natürlich noch eine weitere Folge TKKG an und schlafe innerhalb von Sekunden ein.

Sonntag, 2. Mai 2010

Wenn man Tage lang in seinem eigenem Kopf umherläuft, ist es schwer einen Anfang zu finden. Alles ist unlängst aufgewühlt. Jeder Gedanke unzählige Male, an jedem Anfang und jedem Ende, durchgespielt. Irgendwie ist alles nichts Neues mehr. Außer wenn man es zu Papier bringt. Deshalb liebe ich das Schreiben. Es hilft.
Es sind perfide Banalitäten, um mit Fremdwörtern um mich zu werfen, die den Anstoß für eine Reihe von Gedanken bilden, deren Ende so unglaublich garnicht zu dem Anfang passt, dass es an Ironie - ja eigentlich Sarkasmus, grenzt, mich hier sitzend und ferner schreibend zu befinden.
"Sie fragt ihn: Hast du alles? Er nimmt ihre Hand und sagt: Jetzt schon" es überkommt mich das Gefühl, dass ich dem, was ich dabei empfinde, nicht durch die kompliziertesten, ausgefallensten, ja durch keine Ausdrucksweise, durch Worte oder sonstige Linguistik gerecht werden kann. Es ist vielmehr, einer dieser unbeschreiblichen Momente, der - so las ich einst - einen guten Lyriker ausmacht. Dass er jene Momente zu Papier bringen kann. Doch, ob ich das nun bin, sei dahin gestellt, ich möchte es nicht. Ich möchte den Moment nicht seines Zaubers berauben. Er soll in voller Güte und vollstem Glanz, wenngleich nur in meinem Kopf dahinstehen und scheinen. Ein wenig Sonne in die sonst so dunkle Welt der Selbstreflexion werfen.
Dennoch bewirkte er, dass ich mich fragte, wozu tue ich das. Also das alles. Ich meine, einjeder Tag ist doch ein Schritt in einer Richtung, an einen Ort, an den man ankommen will. Der eine lebt von Wochenende zu Wochenende. Quält sich von Montag bis Freitag ab, damit er Freitags Abends in seinem wirklichen Leben ankommen kann. Geht arbeiten, um Geld zu verdienen, dass er dann wieder ausgibt, damit er sich gut fühlt. Kocht, isst, bleibt fit, damit ihm am Wochenende mehr Lebensfreude erwartet.
Doch mir ist das zu kurz. Das Leben der Freitag und Samstag Abende vergeht, wird vergehen - muss vergehen. Doch was steht dahinter. Karriere? Will ich Karriere machen, einen Haufen Geld anhäufen, mich deshalb an einem Samstag mittag und Sonntag abend in einer - wenn auch gut klimatisierten - Bibliothek herumdrücken, damit ich später Karriere mache, dicke Autos fahre, teure Kleidung über den sonst leeren Körper trage? Ich glaube nicht. Doch irgendwo, muss doch alles seine Rechtfertigung finden. Oder erliege ich hier einem Trugschluss? Hat es das nicht? Gibt es Tage, Monate, Jahre, ja sogar ganze Leben, die völlig nutzlos sind?
Den gedanklichen Weg abgegangen, führte er mich gleichsam eindeutig wie auch schnell in eine Richtung. Derjenigen welcher.
Und da traf mich die Erkenntnis wie ein Hammerschlag - gewissermaßen in den Unterleib. Dass, wovon ich mich distanzieren wollte, nachdem ich daran schon zahlreiche Male gescheitert war, das war also die Richtung, der Ort, wo ich mich heimisch fühle? Dort wo ich ankommen will?
Vielleicht erklärt es sich, wenn man sich den Tagesablauf vorstellt, der geprägt von Fragen ist "wofür das?". Zumal es schon beim Aufstehen beginnt: "Wozu aufstehen? Damit ich in die Uni kann und dort was lernen. Nur warum soll ich lernen? Damit ich später Karriere mache? Und wozu Karriere machen? Damit ich einsam an der Seite von 2 asiatischen Nutten im Alter von 97 Jahren irgendwo in der Südsee aus dem Leben scheide?"
Das befriedigt mich nicht. Also die Nutten wohl, aber die Vorstellung nicht. Dazu im Widerspruch sehe ich den rechten Weg tatsächlich nur an der Seite einer Partnerin. Bei nichts, trifft die Vorstellung "anzukommen" zu, auch hierbei nicht, doch liegt die Wahrscheinlichkeit hier am Höchsten. Dafür kann ich mich täglich morgens aus dem Bett feuern, lernen, heimkommen, essen, trinken, schlafen.. einfach leben.
Die Rückseite der Erkenntnis hingegen war das Eingeständnis kein solcher Egoist zu sein, wie ich es dachte zu sein. Es wirkt schlicht nicht erfüllend, mit einem reichen Wissenschatz am Ende meines Lebens auf ebengleiches zurückzublicken und mich daran zu erfreuen. Nein, die Ansicht dreht sich. Vielleicht ist das ein weiterer Schritt.. nur wohin..?

Sonntag, 18. April 2010

Eine Entscheidung zu treffen ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Doch treffen muss sie letztlich jeder, früher oder später. Doch in der Erwachsenenwelt trägt jedoch Entscheidung auch Kosequenzen mit sich. Mit diesen umzugehen ist erst Recht nicht die Sache eines Jeden.
Und so kommt es, dass man irgendwann vor der Entscheidung steht, einen Menschen den man mag, mehr als das, verletzen zu müssen. Und schlimmer noch, man muss mit den Konsequenzen leben. Der Konsequenz dass man sich selbst hinterfragt, die Entscheidung in Zweifel zieht, nachdenklich und traurig wird. Dass man mit dem Wissen leben muss, dem Menschen ein Stück Lebensglück genommen zu haben. Ja, vielleicht nicht nur ein Stück..
Entscheidungen können sich gut oder schlecht anfühlen, doch unabhängig davon auch richtig oder falsch. Und so kann es die Fügung ergeben, dass eine richtige Entscheidung sich unglaublich mies anfühlt. Und doch steht man dazu, weil ein Teil weiß, dass es richtig war. Doch, von welchem Teil oder welchem Gefühl sollte man sich leiten lassen? Dem das über gut oder schlecht entscheidet? Sollte man nicht immer danach handeln, dass man sich selbst gut fühlt. Egoismus hin oder her, ohnehin handelt jeder Mensch so, wenn auch über Ecken und Kanten. Oder ist der Ansicht der Vorzug zu gewähren, dass man die Wahl von richtig oder falsch abhängig machen soll?
Ich denke Letzterem ist zuzustimmen. So sehr man sich in ein Abyssum stürzt, aus dem kein Ausweg ersichtlich ist, glaube ich, ist es für den inneren Frieden das Gescheiteste, dass man den richtigen Weg wählt. Wenngleich man sich (hoffentlich) vorrübergehend schlecht fühlt, so klingt das Gefühl ab. Denn obgleich die Zeit alle Wunden heilt, oder man sich nur an den Schmerz gewöhnt, scheint die Sonne nach dem dunkelsten Tag wieder am Hellsten. Was das sagen soll.. ich weiß es offen gestanden nicht.
Ich entschied mich für den richtigen Weg und trage die Konsequenzen. Jedoch macht es das nicht einfacher zu ertragen, und auch der Gedanke, dass irgendwann irgendwo wieder Licht scheinen wird, lässt im Moment nicht weniger Trübsal durch. Doch welch Schelm, von mir zu sprechen.
Gefühle sind sicherlich wohl eine der komplizierstesten Eigenschaften die ein Mensch in sich trägt. Aus der Logik ergibt sich, will man keine Herz mehr brechen, kein Leid sähen, dann sollte man Beziehungen fern bleiben. Und daraus versucht man, wohl aus Eigenschutz zu lernen, das Wissen zu adaptieren, um daran zu wachsen. Doch das furchtbarste ist: Das alles ist passé, wenn ein Mensch vor dir steht, der es schafft, dass bei glühender Sonne Gänsehaut bekommst. Alle Erfahrung und alles Wissen ist dahin und du stürzt dich ins Glück. Und endest am Ende wieder am gleichen Punkt. Vielleicht sollte man es sich dort schonmal wohnlich einrichten, eine Wiederkehr ist ja nicht ausgeschlossen.
"Es wird alles anders, diese Person ist die, die ich gesucht hab und immer suchen werde". Nein, ist sie nicht. So sehr man sich das wünscht und sehr man der Meinung ist, die Überzeugung in sich trägt, so schnell holt eine die nüchterne Realität dann mit einem Hammerschlag zurück. Doch was lehrt das? Eigentlich nichts. Das würde traurig machen, denn es ist ein, offenbar nie endender Kreislauf von Hochs und Tiefs, wie... bei Hochs und Tiefs eben. 'ner Parabel oder so. Ich glaube der einzige Grund warum man sich, oder ich mir, das antut/antue, ist weil es sich das Hoch einfach so verdammt gut anfühlt. Doch wird es das auch in Zukunft oder setzt sich die Vernunft, die Ratio durch und verbietet das Gefühl? Ich kann es nicht hoffen.
Das wäre das Ende.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Liebe

Wow, ich... nunja, ja, bin sprachlos. Fast. Ich glaube, ich erfahre erstmals was es wirklich heißt, Liebe zu empfinden. Ich war vorher verliebt, hatte vorher Beziehungen und alles war fein und ich dachte mich auf dem richtigen Weg. Aber jetzt, angekommen, muss ich sagen, nein. Ich bin jetzt dort wo ich sein muss, wo ich sein will.
Alles was ich erlebe ist aufregend, ist neu obwohl ich es schon zich mal erlebt habe. Ich spüre eine Dankbarkeit wie selten zuvor. Eigentlich wie nie zuvor. Endlich weiß ich was es wirklich heißt, Dankbarkeit zu spüren. Tiefe Demut vor dem, der das eigene Sein möglich macht. Spürbare Verneigung vor der entgegengebrachten Zuneigung. Sovieles ist neu.
Nie zuvor besaß ich die Emotion mit einem Lächeln auf den Lippen ernstlich zu weinen.
Ich weine, weil mich die Sehnsucht umtreibt, doch ich lächle, weil ich weiß, dass wir uns wieder sehen.
Es ist eine Ungläubigkeit, dass das alles wirklich geschieht. Dass ich mich wirklich so gut fühle und auch gut fühlen darf. Sie erfüllt mich wenn sie da ist, dreht mir den Magen um, wenn sie geht. Sie ist der sehnlichste Wunsch, der in Erfüllung geht. Es gibt nichts an ihr, was einem Haken auch nur nahe kommt. Fein und Glatt, ohne Makel. Gänzlich ohne Makel, steht sie vor mir, gesteht mir was sie empfindet und meine Augen füllen sich langsam, kaum merklich, mit Tränen, weil ich berührt bin, tief berührt. Es ist wie ein Finger der direkt auf den offenen Zahn gelegt wird, nur dass es sich gut anfühlt, doch dennoch geht es direkt in Mark und Bein über.
Bei ihr gibt es keine Prinzipien, keine Grenzen, nichts. Und doch alles. Bei ihr finde ich alles was immer suchte. Ich lache bei ihr, aus vollstem Hals. Bin erfüllt mit Gefühlen, voll wie ich vorher nie gedacht hätte sein zu können.
Alles erscheint so surreal. So als wäre, was eigentlich nicht sein könnte. So, als würde einem plötzlich jemand erklären, man hätte gewonnen. Worin? Im Leben. Man blinzelt ungläubig. Schläft eine Nacht drüber. Doch spätestens am nächsten Morgen ist man sich sicher, es passiert. Dennoch bleibt die Ungläubigkeit.
Die latente Kraft, alles schaffen zu können, weil mir ein neuer Rückzugsort geschaffen wurde. Ein Platz, an dem ich ICH sein kann. An dem ich bin wer ich bin, und dafür geliebt werde. Ein Platz, an dem auch ich liebe. Ein Platz bei ihr - tatsächlich und emotional. Die Kraft Berge zu versetzen, die Kraft sich zu motivieren auch, wenn weder Geist noch Körper Kraft haben, all das ist ihr Verdienst.
Partiell fürchte ich um mein Glück. Denn wenngleich ich objektiv behütet aufwuchs, war ich in mir drin immer unzufrieden. Hatte nie was ich wollte, wollte nie was ich haben konnte. Aber jetzt ist all das passé. Sich daran zu gewöhnen ist schwer. Zu begreifen, man nimmt schlußendlich doch am Leben teil. Zu wissen, man hat dort den Mensch getroffen, mit dem man sein Leben teilt oder zumindest teilen will.
In jedem Liebeslied finde ich mich wieder. Ich sehe sie in jeder Zeile. Finde uns in jedem gesprochenen Wort. Bin gerührt von jeder Strophe.
Ich weiß dass sie dort steht und auf mich wartet, um dieses Mal den anderen Weg zu nehmen. Und ich werde dich nicht im Stich lassen, werde für dich da sein, jedes Mal, wenn du mich brauchst.
Doch von vielem was ich gelehrt wurde, was ich neu empfinden durfte und was mich tief berührt hat, war das Ausstehendste eine ganz neue und andere Sichtweise von Liebe. Liebe ist ein starkes.. nein das stärkste Gefühl. Diesem Gefühl will man von Haus aus nachgehen. Man will seine eigene Emotion befriedigen. Der Sehnsucht Linderung verschaffen. Indem man dem Partner nahe ist, Zeit mit ihm verbringt. Das ist richtig und gut so. Auch ich möchte meiner Sehnsucht nachgehen. Nur drifteten meine Gedanken ab. Ich fragte mich, wie weit ich gehen könnte oder würde. Wo endet die Liebe? Was ich sagen will, ist das ich bisher geliebt habe, um mich und meinen Partner glücklich zu machen. Doch ich weiß jetzt, dass es mir nicht wichtig ist, dass ich mich selbst glücklich mache. Ich bin glücklich und werde es auch weiterhin sein. Doch der Grund leitet sich nicht daraus ab, weil ich Gefühle für jemanden habe und sie mir diese Gefühle erwidert. Der Grund warum ich glücklich bin, ist streng genommen egoistischer als zuvor. Ironischerweiße egoistischer obwohl es mir nicht so sehr auf mein eigenes Glück ankommt. Für mich ist wichtig, und nur dann erlaube ich mir selbst mich gut zu fühlen, wenn ich weiß, dass es ihr gut geht. Wenn ich weiß, dass sie sich gut fühlt, dann werde ich glücklich. Ich kann offen und ehrlich sagen, dass ich in meinem Leben nicht mehr glücklich werden will, das ist nicht mehr mein Ziel. Mein Ziel, meine Aufgabe, begreife ich darin, sie glücklich zu machen. Und nur, wenn ich diese meine Aufgabe bewältige kann ich glücklich werden, wenngleich ich es darauf nicht anlege. Streng genommen geht es mir also nur um mich, da ich nur meiner Intention nachgehe, nur dass eben meine Intention Sie und ihr Glück ist. Ich will das Beste was ich leisten kann, und ich will es nicht für mich, nicht mal für uns. Ich will es nur für sie. Ich weiß ich bin jetzt soweit, sagen zu können, ich tue das was erforderlich ist, damit sie strahlt. Damit sie strahlt und die Welt ein Stück schöner macht. Und wenn ich dazu, aus ihrem Leben treten muss, dann werde ich das tun. Wenn ich dazu selbst entbehren muss, werde ich das tun. Und wenn ich dafür selbst aufhören muss zu lieben damit sie wieder lieben kann, werde ich auch das tun. Und wenn ich das für jemand empfinde, kann ich derjenigen in die Augen schauen und ohne zu zögern sagen, dass ich sie liebe.

"Sie sagte 'Tu es',
ich sah sie an,
verstand und nahm ihre Hand
'Für immer' flüsterte ich
und sprang mit ihr."