Sonntag, 10. Mai 2009

Wenn man an Routine dreht, kann sich die Welt um einen erheblich verändern. So geschehen. Auf einem Geburtstag den Spruch "nein danke, ich trinke heute und in nächster Zeit keinen Alkohol" zu bringen, wusste ich wird mich nicht unbeschadet aus dem Gespräch lassen, aber, dass ich eine gute Stunde damit verbringe mich zu rechtfertigen, hätte ich doch nicht gedacht. Und es gibt mir ernsthaft sehr zu denken. Sicher sicher war ja alles nur Spaß und so was an Kommentaren gefallen ist, gnihihi und wir haben uns ja auch alle auf meine Kosten super amüsiert. Bluuuub.
Jedoch hat mich der Abend gestern wirklich fragen lassen, ob ich und mein Umfeld schon so weit ist/sind. Es mag ungewöhnlich sein, weil es Wochenende ist, man zusammen in der "Clique" ist und es sogar einen Anlass gibt, dass jemand der Anwesenden Alkohol verneint. Ok, soweit folge ich ja auch noch. Sicherlich hätte ich auch, aufgrund meiner Verwunderung, gefragt: Warum? Aber alle folgenden Fragen, zeugten einerseits von totaler Intolleranz und stellenweise von einem erschreckend falschen Bild der Droge Alkohol.
"Was willst du? Jägermeister oder Tequila?"
"Nein, danke ich trink heute und in nächster Zeit nix"
"Warum?"
"Weil ich ne Kreatin-Kur mach."
"Warum machst du das?"
"Um ein bisschen an Gewicht, Masse, Umfang etc zuzulegen."
"Und warum?"
Es war eine Art der Fragenreihenfolge, die mir zuerst zeigte ok irgendwas läuft nicht gut. Kurz darauf stellte ich fest, nicht ich bin falsch, mein Gegenüber war falsch. Nicht was ICH tat war rechtfertigungsbedürftig, sondern was alle meine Freunde taten. Und das ist das falsche Bild der Droge Alkohol. Hätte mein Gegenüber das richtige Bild, so hätte ich mich nicht für meinen NICHT-Konsum rechtfertigen müssen, der am Rande bemerkt im allgemeinen Gespräch weit über den Geburtstag hinaus ging, sondern SIE sich für ihren Konsum. Die Frage hätte nicht an mich lauten müssen "Warum trinkst du keinen Alkohol?" sondern von mir an sie alle "Warum trinkt IHR welchen?" Was ich derzeit tue ist doch der Normalzustand, oder hat sich die Welt so sehr gedreht, dass sich Leute rechtfertigen sollten, wenn sie das Richtige tun? Schräg.
Ein anderes Thema, zu dem mich eine neue Bekannte geführt hat, ist dahingehend weniger von mir loszulösen. Den neben dem völligen Unverständnis, wie ich einen Geburtstag FEIERN kann und das OHNE zu trinke, musste ich mir des Häufigeren Abwertungen gefallen lassen. Klingt härter als ich es meine. Wie gesagt war ja alles total lustig, und ja ich hatte auch nix dagegen, dennoch gibt es mir zu denken, über das was dahintersteht.
"Ihr seid ja voll die Langweiler, dass ihr nix trinkt"
"Mann, mit euch ist ja nüchtern garnichts anzufangen, bei euch geht ja keine Stimmung"
Um zwei recht prägnante sinngemäße Äußerungen des Abends zu nehmen. Die mich, mich fragen lassen, empfindet mein Umfeld wirklich so? Also genau SO? Davon abgesehen, dass ich es minderschwere Beileidigung auffasse, da es mir impliziert, wenn ich betrunken bin oder Alkohol trinke bin ich toll, tutti und alles und wenn nicht, dann nicht. Doch darüber hinaus sagt es mir allgemein etwas über diese Menschen, nämlich dass ihre Schlussfolgerung ist, sobald mein Gegenüber nicht trinkt ist er langweilig, unlustig, keine Party. Denn, wenn man den Abend tatsächlich verfolgt hätte, wäre schnell aufgefallen, dass ich als Nüchterner gestern mehr Spaß als ein Großteil der Trinkenden Leute hatte. Also gab es überhaupt keine Einbuße meines Umfeld durch meine Abstinenz. Folglich waren es Klischees. Doch woher kommen die Klischees? Ist es so in unseren Köpfen jemanden derart abzuwerten, wenn er keinen Alkohol trinkt, dass er uns sofort als uninteressant erscheint? Denn wie erläutert, die Realität war ebendiese, dass ich meinen Spaß hatte und mehr davon als ein Großteil der Anwesenden. Was die These grundsätzlich widerlegt, doch darüber hinaus auch zeigt, dass es auch in meiner Person verankert ist, dass mich nüchtern so fad macht. Das war die Realität. Doch das Gesellschaftsbild... hm, schwierig. Ich glaube in der Generation zwischen 15-25 ist Alkohol stark unterschätzt. Kaum jemand aus dieser Generation würde es ernsthaft durchhalten 4 Wochen keinen Alkohol zu trinken. Und wenn, würde er es nicht fertigbringen, dennoch seinen Spaß zu haben einerseits und ihn andererseits nicht seinem Partygefolge (ja die Wörter Party und "kein Alkohol in einem Satz als Nicht-Widerspruch) zu nehmen. Ich denke, das kommt daher, da Alkohol zu sehr gewohnheitsmäßig konsumiert wird. Es ist Wochenende, Freunde, Party, als nächstes Wort würde 95% der Jugendlichen das Wort Alkohol in den Sinn kommen, jede Wette. Vielleicht auch weil Alternativen fehlen. Nicht wirkliche. Real sind sie da, mehr als früher und das Komasaufen ist ein Problem der Gegenwart. Doch im Kopf vieler Leute gibt es scheinbar nur die Möglichkeit am Wochenende Alkohol zu trinken und dann etwas zu unternehmen. Womöglich hat es auch etwas mit dem Verfall der Werte zu tun. Nicht wenige Menschen meines Alters haben einen Freundeskreis der auf dem gemeinsamen Suff aber nicht mehr basiert. Natürlich ist es dann reichlich langweilig sich am Wochenende mal einfach nur zum Abhängen zu treffen. Ganz frei vom Alkohol, denn über was soll man den reden. Es verbindet in aller Regel gemeinsame Partyerfahrungen und das wars. Jemandem mit Werten, persönliche, charakterliche Werte passiert sowas nur schwer. Man sucht sich die Leute nicht danach aus ob sie trinkfest sind oder nicht, sondern vielleicht ob sie einen menschlich weiterbringen oder einem menschlich etwas zu bieten haben. Aber hey, wer zwischen 15-25 macht sich Gedanken um sich selbst und sein Weiterkommen als Mensch. Wohl kaum einer. Ich denke die Quote derer die das tun ist identisch mit den Leuten die 4 Wochen nichts trinken und dennoch Spaß haben könnten. Ob es da zwischen eine gewisse Korelation gibt? Hm......

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