Freitag, 9. Oktober 2009

Ansprüche

Ich denke, Ansprüche zu stellen in egal welcher Hinsicht erfordern ein eigene Aktivwerden. Meist in korrespondierender Form. Wenn ich von jemandem verlange er soll mir dienlich werden, hab ich das Gleiche für ihn zu tun. Gebe ich jemand in einer Not 10€, kann ich gleiches auf der Gegenseite erwarten. Das sind einfache Beispiele. Nur was, wenn die Gegenleistung nicht mehr so einfach zu vergleichen ist?
Das erste Mal kam mir der Gedanke als ich überdachte, was ich von einem Mensch, den ich als Freund bezeichne, erwarte. Oder erwarten kann. Ich denke ich kann von ihm grenzenlos das erwarten was ich ihm gebe. Wenn ich - gedanklich nicht zwingend tatsächlich - Montags morgens bereit bin eine Klausur sausen zu lassen, 70km zu fahren und mich dort um jemand zu kümmern, weil es ihm echt beschissen geht, dann kann ich ebengleiches ohne wenn und aber von ihm fordern. Deshalb sollte man selbst vorsichtig sein, was man einfordert und sich stets fragen ob man gleiches bereit und fähig ist (zurückzu-)leisten.
Ferner bin ich mir nicht sicher ob folgenden Gedanken nur in meinem Kopf präsent sind oder ob sie dem menschlichen Hirn entspringen wie Hass, Eifersucht und Neid. Auf völlig natürlicher Weise also. Sicherlich gibt es keine geschriebene Rangliste in meinem Zimmer auf der ich Leute die ich kenne, bestimmte Nummern in Sinne von Freundeswertigkeiten zuordne. Aber ich denke jeder hat einen besten Freund/in. Das ist auch eine Art von wertender Betracht in Form eines Rangs. Dem Rankingplatz 1. Nur wer hat Platz 2-10 im Kopf? Sicherlich wird es da schon schwieriger, zwischen Platz 3 und 4 zu unterscheiden. Aber jemand den ich 2 mal regemäßig wöchentlich sehe steht nunmal über jemand mit dem ich mich garnicht verabrede und ihn eher sporadisch sehe, wenn ich ohnehin schon unterwegs bin. Was ich sagen will ist, wohl ist eine präzise Unterscheidung nicht möglich, meist auch nicht nötig, aber eine grobe Unterscheidung - plastisch 2-10 und 10-20 - doch schon eher. Oder irre ich? Bei mir jedenfalls schon. Und danach teile ich auch meine Ansprüche, weil damit meine Leistungen die ich bereit wäre zu erbringen, ein. Jemand der sich im hinteren Bereich der Liste befindet dem würde ich bei einem Anruf um 4 Uhr morgens nicht mehr als ein "Ok, Gut' Nacht" geben. Allerdings in der Top Five, wäre ich wohl angezogen bevor er oder sie danach fragen könnte. Im Feld dazwischen wäre es wohl letzlich Geschmackssache ob ich jetzt gerade lustig genug wäre mich ausm Bett zu quälen.
Ich weiß nicht ob all die Gedanken allzu weltfremd sind. Für mich sind sie Alltag, sie helfen mir, den Umgang in Ausnahmesituationen zu koordinieren, meine Ansprüche vor mir selbst zu rechtfertigen, das Miteinander einfach besser zu gestalten: Ein Platz 1-5 bekommt, wenn ich spät dran bin auch mal ne SMS "Sry bin später dran", wohingegen Platz 10-15 einen Händedruck mit den Worten "Können wir los?" bekommt.
Doch eben so wichtig wie die Tatsache, die Plätze im Groben unterscheiden zu können, halte ich die Tatsache sein Gegenüber gut genug zu kennen, als das man in etwa einschätzen kann, wo man selbst auf dessen Liste steht. Ich meine, meine Nummer 1 wird wohl korrespondierend auch seine sein. Großartig, Bro. Nur im Feld dahinter wird es doch problematisch, einen eigenen Upfielder unterzubringen, wenn man bemerkt, man schwimmt auf der anderen Seite nur im groben Mittelfeld mit. Was tun was tun? Naja selbst herabsetzen? Ich meine das klingt alles so pragmatisch und wenig emotional, aber ich denke, das ist es im Wesentlichen was dort passiert. Ich nehme keine Schilder von der Wand und tausche sie aus, aber doch bin ich mir schlagartig darüber bewusst, dass gewisse Ansprüche, gewisse Verhaltensweisen somit Geschichte sind. Oder es hätten niemals geben dürfen.

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